GEBET EINES ESELS

 

Oh Herr,

wie preis ich selig mich

unter allen Geschöpfen

vier- und mehrbeiniger Natur.

Denn immerhin war es mir vergönnt,

Deinen Sohn zweimal zu tragen.

Du gestattest doch, dass ich daran erinnere,

dass ich ihn vor Herodes Wut gerettet

und dreißig Jahre später

wie einen König nach Jerusalem getragen habe. 

Gerade deshalb

frage ich Dich, o Herr,

wieso mich alle Welt für dumm hält,

wo ich doch mit kräftigem I-Ah

mein Wissen in die Welt posaune,

doch ist das wohl das Schicksal aller Weisen. 

Doch eines, lieber Gott, gewähre:

Lass mir die Menschen

doch nicht gar so störrisch sein!

Wenn ich kurz halte,

Deine wunderbare Schöpfung zu beäugen

und mich an süßen Disteln zupfend zu vergnügen,

so bilden sie sich ein, sie müssten weiterrennen,

und

störrisch wie sie sind,

wollen sie,

dass ich desgleichen tu.

0 Herr!

Gib ihnen ein Quentchen unseres Verstandes,

und unsereiner

wird sich glücklich schätzen.

Amen!