GEBET EINES BLUTEGELS

 

Ach Herr,

gekrümmt lieg ich vor Dir im Schlamme,

gekrümmt nicht bloß,

weil ich vor Dir mich neige,

nein, weil auch hundert Gifte in den Därmen schneiden. 

Schau, Herr!

Wenn endlich ich ein Menschenbein gefunden,

Du weißt, die Sommer sind besonders kurz,

ist der Genuss für mich mit Unannehmlichkeit verbunden. 

Hab' ich mich durch die erste Schicht gequält,

durch Cremen, Sonnenöle, Emulsionen,

und gierig, dürstend meinen ersten Schluck getan,

weiß ich,

dass da

nur Nikotin und Blei und Alkohol

und all die ekeligen Gifte warten.

Erst gestern, Herr,

hätt´ ich zum Glück nicht abgesetzt,

betrunken wäre ich durch meinen Teich getaumelt! 

Das kann so nicht mehr weitergehen, Herr. 

Erfülle mir nur eine kleine Bitte:

Mach mich zum Vegetarier!

Amen!