AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN

 

Was für ein Wunder,

dieses erste!

Lange vor der Nacht

im Stall von Bethlehem.

Und dann:

Kafarnaum,

Kana,

Gadara und Gerasa...

Die verdorrte Hand.

Des Jairus Tochter.

Der blinde Mann von Jericho...

Als genügte nicht ein einziges.

Zuletzt das allergrößte aller Wunder:

der Aufstieg aus der tiefsten, längsten Nacht,

der Heimgang in die Ewigkeit.

Wir fordern, wie Herodes, das Mirakel,

weil dieses nur

die Überweltlichkeit bezeuge,

und wollen doch

in der Begrenztheit unsres Menschengeistes,

dass es uns fassbar wird,

dass wir es durchschauen.

Wann haben wir verlernt,

ein Kind zu sein,

das dem Vaterwort vertraut,

ganz ohne Zweifel?

Wann haben wir es abgelegt, das Arm-im-Geiste-Sein?

Und alles ohne Argwohn

anzunehmen?

Wie gelassen,

ja wie heiter

stünden wir

dem Sterben gegenüber,

wenn wir

- nicht nur am Ostertag -

demütig sprechen könnten:

"Herr, ich glaube!"

 

                        (Aus Wolfgang Ehrenhöfer: PASSIO DOMINI)